Berlin - Hauptstadt der Tiere

Zahlenmäßig sind die Tiere den Menschen in Berlin schon lange weit überlegen und dennoch stören sie nicht. Im Gegenteil! Der Berliner freut sich über gelegentliche, für ihn meist unverhoffte Begegnungen und ahnt kaum, mit wie vielen Tieren und Tierarten er sich seine Stadt teilt. Es ist also höchste Zeit, sich die „tierischen“ Mitbürger mal genauer anzuschauen. Wo leben sie, wie leben sie und was macht auch sie zu echten Berlinern?

Wildes Berlin - Der Film - Berliner Stadtfuchs

Der Berliner Stadtfuchs

Rotfüchse haben in den letzten Jahren fast jeden Winkel Berlins erobert. Einige von ihnen sind regelrechte Berühmtheiten, ihre Geschichten finden immer wieder den Weg in die Berliner Presse: wie zum Beispiel der so genannte „Kanzleramtsfuchs“.

Fast jeder Berliner hat eine Fuchsgeschichte zu erzählen, denn Begegnungen am frühen Morgen oder späten Abend sind keine Seltenheit. Auf ihren nächtlichen Streifzügen durch die Stadt bewegen sich die sprichwörtlich schlauen Tiere entlang der Schatten geparkter Autos. Längs ihrer Route kennen sie jeden Winkel und scheinen genau zu wissen, in welchem Hinterhof, bei welchem Mülleimer sich die Stippvisite lohnt. Den wenig spezialisierten Nahrungsopportunisten bieten die Straßenzüge Berlins ein reichhaltiges kaltes Buffet aus verschmähten Schulbroten, Opfergaben vor thailändischen Massageläden und Restaurants, Katzenfutter, Regenwürmer, Obst, Pommes und vieles mehr. Die Räuber machen sich kaum noch die Mühe zu jagen. Dabei besteht auch an ihren Beutetieren kein Mangel in Berlin. Aber anstatt die Wildkaninchen zu fressen, teilen sie sich in der Großstadt gar große Baue. Nachts gehen dort die Füchse ein und aus, tagsüber die Kaninchen. In der Stadt rücken eben alle enger zusammen.

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Wildes Berlin - Der Film - Berliner Waschbären

Der Berliner Waschbär

Die Waschbär-Gangs, die den Tiergarten unter sich aufgeteilt haben, haben Migrationshintergrund. Sie sind eigentlich Amerikaner. Ihr weiches Fell brachte sie in den 20er Jahren nach Deutschland, wo sie in Pelzfarmen dahinvegetierten. Am Ende des zweiten Weltkriegs verirrte sich eine Bombe in eine solche Farm in Potsdam. 23 Waschbären kamen frei und flohen Richtung Wannsee. Sie gründeten die zweite große Population in Deutschland. Die meisten von ihnen leben in den Buchenwäldern nördlich von Berlin, aber einige wurden von den Lichtern der Großstadt magisch angezogen. Die kleinen Gauner sind wie die Füchse Nahrungsopportunisten. Aber ihre Fingerfertigkeit macht sie noch erfolgreicher beim Öffnen von Verpackungen und Mülleimern, sogar Reißverschlüsse sind für sie kein Problem. Die Bären sind echte Cityslicker, Großstadt-Helden, und sie sind wählerisch: Berlin ist die einzige Großstadt in Deutschland, die sie bewohnen.

Berliner Vögel

Die Berliner Krähe

Messen, Tagungen und Kulturveranstaltungen wie die alljährliche Berlinale locken auch im tiefen Winter Gäste aller Couleur in die Hauptstadt. Wenn im Februar am Berlinale-Palast die Stars und Sternchen über den roten Teppich flanieren, verdunkelt nicht selten ein gigantischer Krähenschwarm den Himmel über Berlin. Die Saatkrähen sind ebenfalls Wintertouristen. Sie kommen jedes Jahr aus Sibirien in die Stadt und veranstalten täglich ihr eigenes Spektakel. Krächzend und kreischend kommen sie zu zehntausenden abends aus dem Umland in die vergleichsweise warme Innenstadt. Wenn wirklich alle da sind, ziehen sie sich auf ihre Schlafbäume zwischen Brandenburger Tor, Reichstag und der ehrwürdigen Humboldt-Universität zurück.

Wildes Berlin - Der Film - Berliner Verkehrsinselkaninchen

Das Berliner Verkehrsinselkaninchen

Zwischen den Maulwurfshäufchen auf Verkehrsinseln mümmeln von hupenden Autos unbeeindruckt Wildkaninchen am jungen Löwenzahn. Sie lebten zu DDR Zeiten im Schutz der Mauer am Potsdamer Platz. Anders als Menschen durften sie im Grenzstreifen nicht beschossen werden. Ganz im Gegenteil. Die Grenzposten verbanden eine Art Freundschaft mit den Tieren, deren Beobachtungen ihnen die lange Wachzeiten versüßten. Die Wildkaninchen waren von der Maueröffnung sicher wenig begeistert. Ihr Potsdamer Platz wurde zur Riesenbaustelle und sie mussten sich neuen Lebensraum suchen. Heute geht es ihnen wieder prächtig. Aus keinem innerstädtischen Friedhof, keinem Park und von kaum einer Verkehrsinsel Berlins wären die niedlichen Häschen noch wegzudenken.

Wildes Berlin - Der Film - Berliner Biber

Der Berliner Biber

Etwas weniger publikumsversessen, aber doch unaufhaltsam zieht es auch den Biber in die große Stadt. Zu verführerisch ist das weitverzweigte Netz von Seen und Wasserwegen in der Hauptstadt. Bisher fehlte es mancherorts am Spreeufer an geeigneten Rastplätzen. Aber dem wurde bereits Abhilfe geschaffen. An der Eastside-Gallery, gegenüber vom Ostbahnhof entstand ein Biberausstieg. Die Stahl- und Betonwand des Ufers wurde abgesenkt und die Böschung neu bepflanzt. Bibern und auch Ottern soll hierdurch ermöglicht werden, auf ihrer Reviersuche im so genannten Berliner Biotopverbund auch die Innenstadt zu durchwandern. So entsteht eine Biberburg nach der anderen an den Ufern der Berliner Seen. Die Burgherren passen sich den Gegebenheiten der menschlichen Besiedelung mehr und mehr an, lernen Fähren auszuweichen und für den Bootsbetrieb unsichtbar zu bleiben, den sie aber stets bestens im Blick haben.